Eine Hand wäscht die andere: Ehrenmedaillen für „F“U-Funktionär_innen

Zuletzt gab es einige Diskussion um Ehrentitel, die von Seiten der „Freien“ Universität an illustre Persönlichkeiten aus aller Welt verliehen werden. Ehrenmedaillen und Ehrenbürgerschaften gehen an Sklavenhändler, Pferdequäler, Diktatorengattinnen, Mafiosi, Berliner Landesbanker, die nicht nur die Bank, sondern auch das Land fast in den Bankrott getrieben haben, und ähnlich verdiente Mitglieder der Weltgesellschaft. Zur Honorarprofessur braucht es in Dahlem immerhin die akademische Qualifikation der Allgemeinen Hochschulreife – einem Bundesministerium vorzustehen hilft insbesondere zu Exzellenzwettbewerbszeiten allerdings auch.

Exzellenzen mit Grenzen

So oder so ähnlich könnten sie aussehen: Ehrenmedaillen für das leitende „F“U-Personal

„Wer gibt, dem wird gegeben“, wusste schon ein antiker Glaubensratgeber. „Wer austeilt, muss auch einstecken können“, laut eine pessimistischere Variante desselben Prinzips. Und vom Einstecken haben exzellenzerfahrene „F“U-Funktionär_innen schließlich schon immer viel verstanden. So verwundert es wenig, dass ihr Eifer im Austeilen von Ehrentiteln sich nun bezahlt machen soll. Als würdiges Leitungspersonal einer Internationalen Netzwerkuniversität heimsen Mitglieder des Politbüros derzeit Preise in aller Welt ein.

dif„F“Us fasst zusammen:

  • Der Vorsitzende des Politbüros wurde kürzlich in Moskau mit dem Verdienstkreuz für Lupenreine Demokraten am Goldenen Band ausgezeichnet. Die Laudatio soll dem Ausgezeichneten in den nächsten sechs Monaten schriftlich zugehen.
  • Die Ehrenmitgliedschaft in der KP Chinas wurde der Ersten Sekretärin angetragen. Lobeshymnen im Parteiblatt ließen dies bereits im Januar erahnen. Der kürzlich aufgetauchte Kriterienkatalog für Ehrenmitgliedschaften aus einem geheimen Zusatzdokument zur Parteisatzung – Gerüchten zufolge Ende der 1990er in einer Sitzung des Zentralkomitees verabschiedet – verdeutlicht, wie sie zu dieser Ehrung kam: „Marktradikalität bei gleichzeitiger Autoritätsgläubigkeit sowie ein rüder Umgangston“ werden dort als Merkmale eines würdigen Ehrenmitglieds gelistet.
  • Der Schatzmeister sowie der oberste Lakai Untersekretär erhielten den jährlich in Damaskus vergebenen Baschar-al-Assad-Preis für robustes Konfliktmanagement. Ihre Fähigkeiten waren der syrischen Presse schon Anfang des Jahres positiv aufgefallen. Aufgrund der Sicherheitslage vor Ort mussten sie ihre Dankesrede allerdings von Dahlem aus per Videokonferenz halten.

Eine Auszeichnung im eigenen Land erhielt derweil der Dritte Sekretär. Der Angela-Merkel-Messingpokal für geduldiges Aussitzen brenzliger Situationen wurde ihm vor kurzem in einem Tagungshotel im Spreewald verliehen. Er reagierte gewohnt besonnen: „Dazu kann ich Ihnen momentan nichts sagen.“

Doch kaum sind diese Erfolge begossen, brodelt die Gerüchteküche schon weiter: Wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist, erwägt die Böllermann-Stiftung dem neuen Zweiten Sekretär den Beginn seiner Amtszeit gleich mit einem Titel zu versüßen. Der diesjährige Steffen-Seibert-Preis für rhetorisch einwandfreie Nichtbeantwortung kritischer Fragen mit einem Lächeln soll dem Neufunktionär „nahezu sicher“ sein.

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