Neuer Job für Maaßen: Teilgrundordnungsschutz

Neue berufliche Perspektive für professions professurlosen Verfassungsschutzchef Maaßen: „F“U-interne Behörde zum Schutz des universitären Verfassungs-Provisoriums geplant

Offenheit mit Grenzen

Offenheit mit Grenzen – diese gilt es an der „F“U zu schützen

Die „Freie“ Universität plant wieder einmal die Einrichtung einer neuen Verwaltungseinheit: Die in der Kritik stehende Teilgrundordnung (dif„F“Us berichtete), deren Ablösung durch eine vollständige Grundordnung aktuell diskutiert wird, soll nun durch eine geheimdienstliche Abteilung geschützt werden. Der bisherige Arbeitstitel: Teilgrundordnungsschutz.

Als Abteilungsleiter im Gespräch ist der gegenwärtige Verfassungsschutzchef Maaßen. Dieser ist der Universität bereits als Lehrbeauftragter (nicht jedoch als Honorarprofessor) verbunden. Für ihn wäre es in Anbetracht seiner bisherigen prekären Beschäftigung als Leiter einer Bundesbehörde mit Auflösungserscheinungen ein beruflicher Aufstieg.

Eine dringende Aufgabe, so sagen Quellen in der Verwaltung, sei die Koordination der politischen Zensurmaßnahmen an der „F“U, deren flächendeckende Anwendung „eine besondere logistische Herausforderung“ darstelle. Akut bedroht sei die Teilgrundordnung zudem durch die Arbeit der Arbeitsgruppe Grundordnung des Akademischen Senats, deren Zukunft momentan zur Disposition steht. Die Rund-um-die-Uhr-Beobachtung ihrer Mitglieder habe in der neu geschaffenen Abteilung zunächst Priorität.

Maaßens Anstellung wird in Kreisen des Politbüros begrüßt: „Er ist zweifellos geeignet, ein Mann des Apparats“, so eine Stimme. Auch jenseits der persönlichen Qualifikation sei der Schritt sinnvoll: „Die Universität würde hier ihrer sozialen Verantwortung gerecht – der Mensch könnte doch in seiner jetzigen Position jederzeit auf der Straße landen.“

Nur der gefragte Bürokrat selbst scheint noch nicht überzeugt zu sein. Aus seinem Umfeld ist zu vernehmen, die mögliche neue Stelle sei ihm „schnurz“.

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Gedenkfeier geplant: Das „F“U-Ermächtigungsgesetz wird 15

Kurz bevor sich die präsidiale Machtergreifung zum fünfzehnten Mal jährt, wird der „F“U-Öffentlichkeit erst das Ausmaß dessen bewusst, was 1998 nach Auffassung des Präsidiums Politbüros eigentlich passiert ist. Nun laufen die ersten Vorbereitungen für eine Gedenkfeier im Oktober.

AS-Vorraum

Im Gremienland: Unmündig ist’s erträglicher

Kurz nach Beginn des Wintersemesters, am 27. Oktober, jährt sich der Beschluss der sog. „Teilgrundordnung“ durch das Konzil* der „F“U zum fünfzehnten Mal. Die durch die damals neue Erprobungsklausel im Berliner Hochschulgesetz gegebenen Spielräume ausnutzend beschlossen die Gremien damals eine Strukturreform. Diese wurde den gesetzlich vorgegebenen Zielen Demokratiebeseitigung „Vereinfachung der Entscheidungsprozesse“ sowie Ökonomisierung und Drittmittelwahn „Verbesserung der Wirtschaftlichkeit“ mehr als gerecht: Mit diversen zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet konnte das Präsidium Politbüro nun an den gewählten Gremien vorbei ungehemmtes „Wissenschaftsmanagement“ betreiben.

Dies hatte für die Gremienmitglieder zunächst nur Vorteile: Sie mussten weniger schwere Verantwortung auf ihren Schultern tragen und sich mit weniger komplizierten Dingen beschäftigen. Schließlich war schon mittelalterlichen Gesellschaften die Bürde der eigenen Mündigkeit schmerzlich bewusst, weswegen sie diese in der Regel mieden wie bayrische Fußballfunktionäre die Steuerfahndung. Somit hatte im Zuge der breiteren Modernisierung des europäischen Hochschulsystems zum Ende des 20. Jahrhunderts auch der Akademische Senat der „F“U den Sprung ins Mittelalter geschafft.Die aufwändig durchgeführten Gremienwahlen dienten fortan immerhin noch der Verteilung von Lebenslaufpflegemöglichkeiten.

Bislang wurde jedoch allgemein davon ausgegangen, dass diese „Erprobung“ durch die Gremien, die sie einst beschlossen – oder ihre Nachfolgekonstrukte – bei Bedarf beendet werden könnte, falls die Rückkehr zu Demokratie und eigener Mündigkeit einmal mehrheitsfähig und das Bedürfnis, doch einmal eine seit 27 Jahren vom Berliner Hochschulgesetz vorgesehene (Ganz-)Grundordnung zu erlassen, größer werden sollte.

Doch die kürzlich bekannt gewordene Rechtsauffassung des Präsidiums Politbüros lässt eine solche Renaissance zur bloßen Utopie werden: Die „Teilgrundordnung“, heißt es in der juristischen Realsatire, sei „im Rechtsrang… zwar Satzungen nur gleichrangig“, aber „ihrem Inhalt nach“ doch vorrangig und stehe damit über einer möglichen richtigen Grundordnung. „Der Antrag der Hochschule obliegt ausschließlich der Hochschulleitung (dem Politbüro, Anm. d. Red.)“, heißt es weiter, und abschließend wird bemerkt: Teilgrundordnungen seien dem Gesetz nach prinzipiell zwar Teile einer Grundordnung, diese Teilgrundordnung jedoch nicht. So einfach ist das.

Das bedeutet: Eine „F“U-Grundordnung als Ganzes, wie sie der erweiterte Akademische Senat beschließen könnte, wäre ihrem eigenen „Teil“ untergeordnet und könnte an dessen Substanz nichts ändern – das könnte nur das Politbüro, falls es seiner eigenen Kompetenzfülle überdrüssig werden sollte. Diejenigen, die diesem Ermächtigungserlass 1998 im Konzil zustimmten, können ihr Gewissen beruhigen: Die juristische Fantasie, der diese kreative Interpretation entspringt, wird der Universitätsmob von ihnen kaum erwarten. Sie gingen vermutlich davon aus, im Falle einer eventuellen mentalen Selbstbefreiung aus der eigenen Unmündigkeit doch den Weg zurück in die Demokratie beschreiten zu können. Drei der damals Beteiligten sollen nach den neuen Enthüllungen kurzzeitig wegen Schockerscheinungen in die Charité-Klinik eingewiesen worden sein.

Zu Beginn des Wintersemesters werden nun von bestürzten Dahlemer Vorzeigedemokrat_innen unter anderem eine Mahnwache vor dem Politbüro und eine Gedenkfeier in der Rudi-Dutschke-Kapelle im Audimax vorbereitet. Das Studierenden Studentenwerk erwägt voller Taktgefühl, am auf den Jahrestag folgenden Montag (28. Oktober) das Angebot in den Mensen auf Wasser und Brot zu reduzieren, „um die Trauerstimmung unter den Universitätsmitgliedern nicht unnötig durch bunte Gerichte zu stören“, so eine Sprecherin. difFUs wird über den weiteren Verlauf der Planungen informieren.

* Klingt komisch? Keine Sorge: Das Konzil dürfte nur den älteren Leser_innen bekannt sein. Es hat sich mit der Verabschiedung der „Teilgrundordnung“ praktisch selbst abgeschafft, an seine Stelle trat der Erweiterte Akademische Senat.

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Neuer Fachbereich KVor kommt: Karrieristik erhält akademisches Standbein

Wieder einmal startet die „Freie“ Universität mit einer furiosen Meldung ins neue Semester: Hinter den Kulissen wird seit Monaten fleißig an der Einrichtung eines neuen Fachbereichs gewerkelt. Der Fachbereich „Karriere und Vorankommen“ mit dem internen Kürzel KVor soll „als Querschnittsthema alle Qualitäten unserer Universität in einem gezielten Angebot bündeln“ und bereits im nächsten Wintersemester die Arbeit aufnehmen, wie eine Pressemitteilung des Präsidiums Politbüros am heutigen Morgen verkündete.

Campushotel Seminaris

Angemessene Räumlichkeiten: Das verwaiste Campushotel

Herzstück des neuen Lehrangebots wird der Studiengang Karrieristik, der wahlweise als Monobachelor, als Bachelor im Kernfach (120 Leistungspunkte), als Bachelor im Nebenfach (30 oder 60 Leistungspunkte) oder als weiterbildender Masterstudiengang belegt werden kann. Für den weiterbildenden Masterstudiengang fallen wie üblich Studiengebühren an. Diese sollen sich in der Höhe nach dem Prinzip „von nichts kommt nichts“ an den Gebühren amerikanischer Eliteuniversitäten orientieren. „Wer beim Borussia Dortmund der deutschen Hochschullandschaft studiert, spielt eben in der Champions League“, kommentierte dies auf Nachfrage eine Politbüro-Sprecherin.

Folgende Qualifikationen sollen jeweils in eigenen Modulen vermittelt werden, die teilweise in Kooperation mit anderen Fachbereichen stattfinden:

Kernbereich:

  • Opportunismus I+II
  • Smalltalk I
  • Schlaue Zitate und wem sie zugeschrieben werden (Smalltalk II)
  • Ellenbogentaktik (Theorie und Praxis)
  • Nach oben buckeln, nach unten treten
  • Selbstbewusstsein für Leistungsträger (in diesem Modul soll ein Lehrauftrag an Uli Hoeneß vergeben werden)
  • Marsch durch die Institutionen (eine Honorarprofessur für diesen Bereich möchte die „F“U Joschka Fischer antragen)

Wahlpflichtbereich:

  • Akademische Titel leichtgemacht (hierfür ist Gerüchten zufolge die Honorarprofessorin Annette Schavan als Dozentin eingeplant)
  • Steuerparadise Europas und der Welt
  • Erfinden, kreatives Bearbeiten und Umdeuten von Statistiken

Abgerundet wird das Angebot durch affine Module aus dem Bereich der Allgemeinen Berufsvorbereitung sowie durch Praktika in fachnahen Unternehmen, Interessenverbänden und politischen Parteien.

Als weitere Studienmöglichkeit ist auch ein Opportunismus-Monobachelor vorgesehen. „Wir freuen uns mitteilen zu können, dass die ‚Freie‘ Universität bald den ersten rein opportunistischen Studiengang in Deutschland anbieten kann“, so die offizielle Stellungnahme. Dieser Studiengang wird durch das dem Fachbereich angegliederte Horst-Seehofer-Institut für angewandten Opportunismus (umgangssprachlich: das HaSI) organisiert. Die Universität bemüht sich um die Dienste Sigmar Gabriels als weiterem prominenten Lehrbeauftragten für die hierverpflichtenden Module Opportunismus III+IV.

Neben dem umfassenden Lehrangebot sei am neuen Fachbereich auch die Einrichtung eines neuen Exzellenz-Forschungsclusters für den Fall einer Fortsetzung der Exzellenzinitiative geplant.

Angemessene Räumlichkeiten stünden bereits zur Verfügung – so ist die Nutzung des chronisch unterbelegten „Seminaris“-Campushotels für den Bedarf des neuen Fachbereichs angedacht. Studierenden könnte hier im Paket zudem günstiger Wohnraum mit vielfältigen Serviceleistungen angeboten werden. „Ein besonderer Standortfaktor“, heißt es dazu in der Pressemitteilung.

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FUpp – die Campus-App kommt

Eine neue Anwendung („App“) für alle Besitzer_innen intelligenter Fernsprechgeräte („Smartphones“) an der „Freien“ Universität soll ab dem nächsten Wintersemester zur Verfügung stehen. Die sogenannte „FUpp“ wird zahlreiche Services für Studierende bieten.

FUpp

Corporate Design veredelt: Die Campus-App

„FUpp soll ein 24/7-Begleiter für Studierende von heute sein“, so Jay Joy, Geschäftsführer des Herstellers Surveillance and Monitoring Systems, Inc. (SAMS). Die Applikation wird mit dem „Campus Management“ sowie der „Blackboard“-Plattform verbunden und aufgrund der neu entwickelten UI-Technologie („Ungeahnte Intelligenz“) in der Lage sein, alle Informationen aus diesen elektronischen Systemen intelligent zu interpretieren. So kann es Studierende nicht nur an anstehende Prüfungen erinnern, sondern auch an noch zu bewältigende Lektüre und andere alltägliche Aufgaben. Eine effiziente Gestaltung der Wege über den Campus zur Bewältigung des Tagesablaufs organisiert „FUpp“ in Echtzeit.

Mittels der bekannten GPS-Technik (Global Positioning System) kann das neue Progrämmchen auch Rückschlüsse zur Lebensführung der Studierenden ziehen und daraus Empfehlungen zur Selbstoptimierung errechnen. „Sollten Studierende sich wochentags nach 23 Uhr noch in einer Kneipe aufhalten, wird das Handy in Zukunft intervenieren“, erklärt Joy. In der Prüfungszeit werde die Applikation solches Verhalten auch an Wochenenden zu unterbinden versuchen. Auch bei gehäuftem Konsum von rot markierten Mensagerichten werde das System eine gewissenhaftere Pflege des studentischen Humankapitals anmahnen. Zur Gesamtsteuerung dieses Systems wird eine neue Unterabteilung der Universitätsverwaltung eingerichtet, die der Abteilung V (Lehr- und Studienangelegenheiten) angegliedert sein soll.

Als Lockangebot wird die „FUpp“, deren Benutzung monatlich EUR 4,99 kosten wird, Studierenden aller Fachrichtungen in den ersten zwei Semestern ab Start des Systems die Vorschau auf Prüfungsfragen ermöglichen. Studierende, die sich vertraglich auf zwei Jahre im Voraus festlegen, sollen einen zehnprozentigen Bonus auf ihre Prüfungsnoten im gleichen Zeitraum erhalten. Damit hofft SAMS, innerhalb des ersten Jahres bereits 20% der Zielgruppe für die „FUpp“ gewinnen zu können.

Bei Erfolg möchte die „Freie“ Universität den Download der Applikation bald zur Immatrikulationsvoraussetzung machen.

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„Freie“ Universität erhält Meta-Exzellenztitel – bald Umbenennung?

Gute Nachrichten für die „Freie“ Universität in schwierigen Zeiten. Nach all der Kritik der vergangenen Wochen erhält die Institution nun eine Auszeichnung, die besonders die Leitungsebene erfreuen dürfte: Den im Wettbewerb aller „Eliteuniversitäten“ im Bundesgebiet durch das Centrum für Hochschulzerstörung der Böllermann-Stiftung vergebenen Meta-Exzellenztitel.

Max-Kade-Auditorium

Bald mit exzellenter Verzierung? Die funktional-schlichte Auditoriumsrückwand

Die Auszeichnung attestiert der Dahlemer Bildungs Forschungs Eliteeinrichtung „Exzellenz im Exzellentsein“. In der Laudatio, deren voller Wortlaut in den nächsten Wochen in die Außenwand des Max-Kade-Auditoriums am Henry-Ford-Bau gemeißelt werden soll, ist die Rede von „Eleganz im Nicht-Umgang mit Kritik“, zudem wird die „vornehme Bescheidenheit der funktionalen Architektur auf dem Universitätsgelände“ gelobt. Auch die „fast konsequente Weigerung, sich mit Nichtexzellenten abzugeben“, geschmälert nur durch die aus dieser Perspektive unverständlichen Kooperationen mit der Universität Potsdam, trug zur Entscheidungsfindung der Jury aus DAX30-Vorständen bei.

Im Zeichen der Weiterentwicklung der Corporate Identity der „Freien“ Universität peilt die Universitätsleitung nun auch die Umbenennung der Einrichtung in „Exzellenzuniversität“ (EU) Berlin an. Erste skeptische Stimmen aus Brüssel sind bereits zu vernehmen. Einer markenrechtlichen Auseinandersetzung mit der Europäischen Union blickt die noch-freie Universität jedoch gelassen entgegen: „Wenn die Fiskalunion jetzt kommt, könnten wir doch gewissermaßen Kürzel tauschen“, so der pragmatische Vorschlag einer Mitarbeiterin der präsidialen Stabsstelle Corporate Design and Public Disinformation.

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Couragierte „F“U-Studierende leisten Beitrag zu „Dresden Nazifrei“

Während sich am 13. Februar in Dresden wie gewohnt Rechtsradikale und Gegendemonstrierende gegenüberstanden, reihten sich Studierende der „Freien“ Universität zusammen mit ihrem Präsidium im Berliner Umland ins breite, bundesweite Bündnis derer ein, die rechten Tendenzen in der Gesellschaft entgegenwirken möchten.

Zum wiederholten Male besuchten Studierende in größerer Zahl eine Sitzung des Akademischen Senats und gaben dem Präsidium so einen Anlass, sich aktiv für die Resozialisierung von Menschen zu engagieren, die am Rande der Gesellschaft stehen. Die Universitätsleitung heuerte eine neue Wachschutzfirma an, deren Angestellte offenbar überwiegend aus dem rechtsradikalen Milieu stammen. Diese erhielten so die Gelegenheit, einer schlecht bezahlten, prekären geregelten Arbeit auf der richtigen Seite von Recht und Ordnung nachzugehen, anstatt mit ihren mehr oder weniger kahlköpfigen Kameradinnen und Kameraden in Dresden auf die Straße zu gehen.

Zunächst mussten sie sich damit begnügen, sich provokant vor den im Henry-Ford-Bau ankommenden Studierenden aufzubauen und ihnen beim Weg zum Sitzungssaal sehr nahe zu treten sowie einen Ausgang zu blockieren, als die Sitzung aufgrund von Studierendenlärm unterbrochen werden musste. Im Anschluss an eine rasante Taxiverfolgungsjagd durch den Berliner Südwesten durften die Rechtsradik Rechtshüter_innen dann jedoch noch in Aktion treten. Mitgereiste Studierende wollten der Fortsetzung der Sitzung auf dem Gelände der Helmholtz-Gesellschaft in Teltow (kein Witz) beiwohnen.

Dies galt es zu verhindern. Mit Tritten und Würgegriffen zeigten die Wachleute ihr in langen Jahren des politischen Engagements erworbenes Können und konnten die Studierenden so wirksam von der Gremiensitzung fernhalten. In einer Stellungnahme des Präsidiums heißt es: „Dieser erfolgreiche Tag unterstreicht das gesellschaftliche Engagement unserer Universität. Wir freuen uns insbesondere, dass die Studierenden uns an diesem Projekttag gegen Rechtsextremismus tatkräftig unterstützt und dafür keine Schmerzen und Mühen gescheut haben. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Nebenbei konnten wir an diesem produktiven Tag auch noch die Rahmenstudien- und Prüfungsordnung verabschieden. Gerne beteiligen wir uns auch im kommenden Jahr wieder an ‚Dresden Nazifrei‘. Vereint stehen wir in der Mitte der Gesellschaft.“

Die Studierenden äußerten sich ebenso stolz über ihr antifaschistisches Engagement. Schließlich dürfte auch das Wachpersonal der Verzicht auf die Reise nach Dresden angesichts ihrer vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten nicht mehr ganz so geschmerzt haben. Somit gab es an diesem 13. Februar nur zufriedene Gesichter – „Eine Win-Win-Win-Situation“, freute sich eine beteiligte Studierende, während sie sich ihre blauen Flecken rieb. „Die werden mich noch lange an diesen Tag zurückdenken lassen“, lächelte sie darauf angesprochen zufrieden. Nur das Studierendenparlament hatte wie üblich etwas auszusetzen.

Anmerkung der Redaktion: Leider fehlt es difFUs an der nötigen Zivilcourage, um Bildmaterial des Wachpersonals zu veröffentlichen, nachdem dieses am Mittwoch mehrere Kameraleute angriff und ihnen mit Knochenbrüchen drohte.

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„Strg+Alt+Entf“ – 92% der „F“U-Mitglieder gegen ihren Präsidenten

Nach neuen Daten der ZEDAT, die difFUs exklusiv vorliegen, sieht die Lage für den Präsidenten der „Freien“ Universität noch prekärer aus als dies bisher schon schien. Offenbar haben im Laufe des aktuellen Semesters bereits 92% der Universitätsmitglieder offen oder subtil den Rücktritt des Präsidenten gefordert.

Wie berichtet läuft nach wie vor eine Petition zum Rücktritt des Präsidenten mit bisher etwa 700 Unterschriften. Gruppen von Studierenden haben offen seinen Rücktritt gefordert – dieser Haltung schloss sich auch der Allgemeine Studierendenausschuss an. Ein Misstrauensantrag gegen den Präsidenten wurde von der dem Präsidium unterstellten Geschäftsführung des Akademischen Senats nicht auf die Tagesordnung des Gremiums gesetzt, trotz Fristeinhaltung weil eine spontan angeführte, von der Geschäftsordnung abweichende Frist nicht eingehalten wurde.

Doch nicht alle „F“U-Mitglieder äußern sich so offen. Manchen mag es grundsätzlich unangenehm sein, andere könnten Angst vor negativen Konsequenzen für ihr Studium, ihren Arbeitsplatz oder die nächste Mittelverteilung haben. Doch wie die ZEDAT nun ermittelte, haben 92% von ihnen sich in einer codierten Umfrage in diesem Semester klar zur Rücktrittsforderung bekannt. Sie alle antworteten auf Nachfrage mit dem entscheidenden Code: „Steuerung – Alt – Entfernen“. Bis zum Semesterende am 31. März könnte diese Quote nach ZEDAT-Prognosen noch auf 94% steigen.

Steuerung - Alt - Entfernen

Auch schon gedrückt?

Eine difFUs-Blitzumfrage vor den ZEDAT-Computerräumen in der Silberlaube bestätigte dieses Bild – und zeichnet gar ein noch dramatischeres: Sämtliche „F“U-Mitglieder, die den Komplex verließen, bestätigten auf Nachfrage, die Losung eingegeben zu haben. Viele möchten nicht namentlich genannt werden, manche erröteten bei ihrer Beichte. Emil O.*, Student der Biochemie, gibt sogar unumwunden zu: „Ich tue es fast täglich. Aus Überzeugung.“

Das Präsidialamt war am Morgen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wie die nach Einrichtungen aufgeschlüsselten Daten der ZEDAT zu erkennen geben, sind subversive Elemente im Zentrum der Macht jedoch besonders verbreitet: Die „Strg+Alt+Entf“-Quote ist in der Kaiserswerther Straße mit 97% überdurchschnittlich hoch.

* Name geändert

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Virus in Dahlem?

Unerklärliche Szenen spielten sich am Mittwoch wieder einmal im Henry-Ford-Bau der „Freien“ Universität Berlin ab. Zum wiederholten Male verhielt sich eine größere Gruppe von Studierenden äußerst merkwürdig und löste damit ein mediales Rätselraten aus

Studierende vor dem Auditorium

Studierende versammeln sich vor dem Auditorium. Die Öffentlichkeit ist ratlos.

Mittwoch, 6. Februar, 14:30 Uhr, Henry-Ford-Bau. Eine wachsende Gruppe von Studierenden – noch mögen es 150 sein, bald 200 – sitzt in enger Anordnung vor dem Eingang des Max-Kade-Auditoriums. Das Wachpersonal im Gebäude wird stutzig: Keine Lehrveranstaltung mit Anwesenheitspflicht ist für diesen Zeitraum angemeldet, und eine Verteilaktion mit Werbetüten ist auch nicht geplant. Was sonst vermag so viele Studierende an einem Ort vereinen? Es gab im Vorfeld keinerlei, wirklich keinerlei Anzeichen (nirgendwo!) für diese Entwicklungen, wie ein Vizepräsident im Nachhinein betonte. Mehrere Fotograf_innen und Kameraleute sind bereits vom Trubel angezogen worden und dokumentieren eifrig das Geschehen.

15 Uhr: Mitglieder des ersten Standes Präsidiums der „Freien“ Universität lassen sich von Dienern Angestellten den Seiteneingang zum Auditorium öffnen. Dort soll zu dieser Stunde ein Adelskonvent eine Gremiensitzung stattfinden. Die Würdenträger_innen sind leicht irritiert ob der zahlreichen Anwesenheit unterer Stände. Sie öffnen von innen das Portal. Die sitzende Menge erhebt sich und strömt unter Getöse in den Saal.

15:05 Uhr: Die Bühne des Auditoriums ist von zahlreichen Studierenden bevölkert, einige demontieren fleißig das dort aufgestellte Podium, viele weitere verteilen sich über den Raum. Sie singen, schreien, jubeln, trommeln mit den Füßen, rufen unverständliche Silbenfolgen wie „No Go Er Es Pe Oh!“ oder „Steuerung – Alt – Entfernen!“

15:12 Uhr: Die Erste Vizepräsidentin erklärt konsterniert die Auflösung des Konvents. Hinter ihr fliegen Luftschlangen durch den Raum.

21:45 Uhr: Eine kleine Gruppe von Studierenden setzt ihr merkwürdiges Verhalten im Auditorium unbeirrt fort. Sie lauschen den Proben des Collegium Musicum und unterhalten sich dabei flüsternd in einer Ecke. Den Königlichen Garden Dem Wachschutz wird es zu bunt. Die Närr_innen folgen einem letzten Aufruf, den Raum zu verlassen. Zu ihrer eigenen Sicherheit werden sie daraufhin von Polizeikräften zum S-Bahnhof begleitet und angewiesen, nicht vor sechs Uhr zurückzukommen. Die Polizei befürchtet offenbar, das Auditorium könnte durch infizierte Studierende kontaminiert worden sein, und lässt den Raum vorerst absperren.

Draußen hat in der Zwischenzeit längst die Auseinandersetzung um die Deutung der Ereignisse begonnen. Den meisten Außenstehenden erscheint das Phänomen völlig unerklärlich. Spekulationen mehren sich: Ist es ein Virus, etwa über Bakterien im Mensaessen an diesem Mittag in der Studierendenschaft verbreitet, wie es die Reaktion der Polizei vermuten lässt? Nein, sagen andere, dann hätten mehr Menschen unterschiedlicher Stände Statusgruppen betroffen sein müssen. Hat der Druck der Prüfungszeit die Studierenden in einen kollektiven Zustand des Wahnsinns getrieben? Professor_innen sind sich einig: Das ist sehr unwahrscheinlich.

„Was für ein Druck denn? Die Prüfungswiederholungen sind ja in den meisten Fächern noch nicht mal beschränkt“, meint eine Professorin kopfschüttelnd. Sie ist für den Konvent aus einer fernen Provinz angereist und muss nun unverrichteter Dinge den Heimweg antreten. Ihre Vermutung: „Diese Studierenden hatten wahrscheinlich heute einfach mal keine drei Prüfungen an einem Tag und wollten sich daher mal etwas entspannen.“ Warum sie dafür ausgerechnet das Auditorium wählten, ist ihr jedoch rätselhaft, betont sie, während sie gedankenverloren ein herumliegendes zweiseitiges Flugblatt in ihrer Faust zerknüllt. Ihre nüchterne Schlussfolgerung: „Die Pausen zwischen den Klausuren müssten verkürzt werden, dann kommt so etwas auch nicht mehr vor.“

Presse (diese, diese oder auch jene) und Rundfunk warten derweil mit ihren eigenen Interpretationen auf. Ihnen zufolge soll es sich beim unkonventionellen Verhalten der Studierenden um eine Form des Protests handeln.

difFUs vermutet indes, dass durch direktes Befragen der Beteiligten möglicherweise Rückschlüsse auf deren Beweggründe gezogen werden könnten. Dies erschien jedoch aufgrund der potentiellen Gefahrenlage am Mittwoch zu riskant. difFUs enthält sich daher vorerst jeglicher Deutung der Ereignisse und wird weiter recherchieren.

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